Qualzuchtmerkmale bei Nagetieren

Erkennen und reagieren: Nein zu Qualzucht bei Nagetieren!

Die Zucht von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen ist gesetzlich verboten und aus Tierschutzsicht abzulehnen! Auch wer solche Tiere importiert, erwirbt, vermittelt, weitergibt oder ausstellt macht sich strafbar.
Der Begriff der Qualzucht ist vor allem in der Hundezucht in aller Munde. Leider sind auch viele andere Heimtierarten wie Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse und Co davon betroffen. Achten Sie daher schon vor dem Kauf auf Qualzuchtmerkmale und vermeiden Sie, eine solche Zucht zu unterstützen.

Welche Merkmale lassen auf eine Qualzucht schließen?

Fellfarbe
Eine weiße oder helle Fellfärbung ist bei manchen Tierarten mit einem sogenannten Letalfaktor verknüpft. Das bedeutet, dass solche Tiere Träger von problematischem Genmaterial sind. Werden zwei Trägertiere miteinander verpaart, kommt es bei einem großen Prozentsatz der Nachkommen zu verminderter oder nicht vorhandener Lebensfähigkeit oder schweren Fehlbildungen. Ähnliches gilt für Hell- oder Weißschecken.

In einem solchen Fall sollte eine Verpaarung solcher Tiere durch geeignete Maßnahmen unterbunden werden. Ist unklar, ob eines der Tiere ein Träger ist, sollte man Vorsicht walten lassen und auch hier eine Verpaarung verhindern. Um tierschutzrelevanten Problemen vorzubeugen, sollte auf eine Zucht auf rein farbliche Merkmale verzichtet werden!

Albinos
Albino-Tiere sind durch ihre sehr helle Fellfärbung und Augenfarbe besonders auffällig. Diese werden durch eine Pigmentstörung verursacht, die diese Tiere extrem lichtempfindlich macht. Schon bei geringer Lichtintensität können Schäden an der Netzhaut und Sonnenbrand entstehen.

Sorgen Sie dafür, dass die Lichtintensität nicht zu hoch ist. Von einer Außenhaltung raten wir ab!

Taubheit
Eine weiße Fellfarbe kann häufig auch mit Taubheit verknüpft sein. Besonders bei Tierarten, die mit der Stimme kommunizieren, wie z.B. Meerschweinchen und Degus, kann Taubheit zu einer massiven Einschränkung der Lebensqualität führen.

Abweichungen von der Wildfarbe
Auch Farbvarianten, die stark von der Wildfarbe abweichen, bringen Probleme mit sich. Besonders rote, gelbe und orangene Mäuse sind von einer genetisch bedingten Fettleibigkeit betroffen. Leider hilft in so einem Fall oft weder eine Ernährungsumstellung, noch ein Bewegungsprogramm. Das führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zu einer deutlichen Minderung der Lebensqualität. Die Fettleibigkeit tritt oft erst im Erwachsenalter auf, weswegen in einem solchen Fall dringend der Züchter oder die Züchterin zu informieren ist. Diese sehen die Tiere oft nur als Jungtiere und wissen unter Umständen nichts von der Problematik.

Auch sollten rote Mäuse nicht miteinander verpaart werden, da einige (nämlich die sogenannten dominant rötlichen Tiere) einen Gendefekt in sich tragen, der zum Absterben der Embryonen bereits im Mutterleib führt. Das kann beim tragenden Weibchen schwerwiegende gesundheitliche Probleme auslösen. Bestehen Zweifel, ob ein solcher Gendefekt vorliegt, vermeiden Sie eine Verpaarung!

Langhaarigkeit
Langhaarige Nager sind oft beliebte Heimtiere, da sich ihr Fell weich und kuschelig anfühlt. Leider bringt das für das Tier viele Nachteile mit sich. Wird das Fell zu lang, ist eine angemessene Fellpflege kaum mehr möglich. Das Fell verfilzt schnell, was zu Schmerzen und Verletzungen der Haut führen kann.

Wachsen auch andere Haarausbildungen – wie z.B. Wimpern und Nasenhaare – unnatürlich lange, kann das unter anderem chronische Augenentzündungen und Reizungen und Entzündungen in anderen Bereichen zur Folge haben. Problematische Haare müssen dann eventuell fachgerecht von einem Tierarzt oder einer Tierärztin entfernt werden.

Untersuchen Sie daher sorgfältig, ob es auch zu Änderungen solcher Haarausbildungen kommt!

Gekräuseltes Fell
Grundsätzlich muss gekräuseltes Fell - wie z.B. bei Lockenmäusen – kein Problem darstellen. Bei manchen Tierarten wachsen sich die Locken im Alter sogar aus.

Achten Sie aber darauf, ob sich nicht andere Haarpartien verändern. Locken sich die Wimpern, so kann es auch hier zu schweren Augenentzündungen kommen. Sind die Tasthaare von der Lockung betroffen, so wird das Tier in einem wichtigen Sinnesorgan stark eingeschränkt! Für die meisten kleinen Heimtiere sind die Tasthaare wesentlich für die Orientierung und Erfassung ihrer Umwelt und damit für ihr Wohlbefinden. Wenden Sie sich in einem solchen Fall an Ihren Tierarzt.

Nacktheit
Nackte Tiere gelten als allergieärmer und sind daher bei Allergikern oft beliebt. Es wird jedoch übersehen, dass auch die Hautschuppen der Tiere zu den häufig problematischen Allergenen gehören.

Für die Tiere bringt die Haarlosigkeit viele Nachteile mit sich. So sind sie z.B. sehr kälteanfällig. Treffen Sie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen um eine Unterkühlung zu verhindern. Dazu kommt eine hohe Anfälligkeit der Tiere für Sonnenbrand. Eine Außenhaltung ist daher nicht zu empfehlen!

Auch neigen nackte Tiere vermehrt zu Hautverletzungen, da ihnen das schützende Fell fehlt. Schon gängige Kleintierstreu aus Holzspänen kann zu einem großen Problem werden!

Die Haltung von haarlosen Tieren ist sehr anspruchsvoll. Wir raten von einer gezielten Zucht solcher Tiere aus Tierschutzgründen ab!

Veränderte Ohren
Schlappohrigkeit, wie sie vor allem bei Kaninchen auftritt, kann besonders dann zu einem großen Problem werden, wenn die Ohren überproportional lange sind. Das führt für das Tier zu Bewegungseinschränkungen und einem erhöhten Verletzungsrisiko. Zudem können die Tiere ihre Schlappohren oft nicht richtig bewegen, wodurch das Hörvermögen eingeschränkt wird.

Kaninchen dienen die Ohrmuscheln zur Regulierung der Körpertemperatur. Diese kann durch extreme Langohrigkeit, aber auch durch zu kurze Ohren beeinträchtigt werden. Vor allem bei zu kleinen Ohren laufen die Tiere Gefahr, schnell zu überhitzen. Ein entsprechendes Management der Umgebungstemperatur ist hier sehr wichtig!

Zwergwuchs und Kieferverkürzungen
Zwergwuchs ist ein oben beschriebener Letalfaktor. Zwei zwergwüchsige Tiere sollte daher nicht miteinander verpaart werden!

Mit einem solchen Zwergwuchs gehen oft Kopfdeformationen, wie die bereits beschrieben zu kurzen Ohren, oder Kieferfehlstellungen einher. Letzteres kann für kleine Heimtiere, deren Zähne lebenslang wachsen, schwere Folgen haben. Auf Grund der Fehlstellung können sich die Zähne nicht mehr richtig abreiben. Regelmäßige Zahnbehandlungen beim Tierarzt oder bei der Tierärztin sind die Folge. Wiegen Sie ihr Tier regelmäßig und beobachten Sie sein Fressverhalten, um rechtzeitig reagieren zu können. Kann ein betroffenes Tier nicht mehr regelmäßig essen, kann das sehr schnell zum Tod führen!

Schwanzlosigkeit bei Ratten und Mäusen
Solche Zuchtformen sind strikt abzulehnen! Mäuse und Ratten benötigen ihren Schwanz zur Regulierung der Körpertemperatur sowie zur Balance und zum Klettern. Schwanzlosigkeit geht oft mit Wirbelsäulenfehlbildungen und Koordinationsstörungen einher. Die betroffenen Tiere leiden meistens deutlich!

Tanzmäuse
Diese Mäuse haben einen schweren Hirndefekt. Die kreiselnden „Tanz“-Bewegungen kommen von einem Defekt im Innenohr, wodurch der Gleichgewichtssinn schwer gestört wird. Diese Tiere können weder gerade laufen noch klettern und sind oft auch blind und taub. Eine solche Zucht darf nicht unterstützt werden, da sie großes Leid für die Tiere bedeutet!

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