Datenschutz Information

Wir verwenden Cookies um externe Inhalte darzustellen, Ihre Anzeige zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Dabei werden ggf. Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für externe Inhalte, soziale Medien, Werbung und Analysen weitergegeben. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben.

Sie können entweder allen externen Services und damit Verbundenen Cookies zustimmen, oder lediglich jenen die für die korrekte Funktionsweise der Website zwingend notwendig sind. Beachten Sie, dass bei der Wahl der zweiten Möglichkeit ggf. nicht alle Inhalte angezeigt werden können.

Alle akzeptieren
Nur notwendige Cookies akzeptieren
Home » Projekte » Welpenhandel

Welpenhandel

Sie sind klein, süß und so einfach zu ordern wie ein Paar Schuhe: Jedes Jahr werden Hunderte Welpen online bestellt und nach Österreich geliefert. Gewerbliche Hundegroßhändler aus Nachbarstaaten wie der Slowakei oder Tschechien preisen die Vierbeiner auf ansprechend gestalteten und seriös wirkenden Internetseiten als Hunde aus "handverlesener Familienaufzucht" an. In Wahrheit stammen sie jedoch meist aus sogenannten "Hinterhofzuchten", in denen Hündinnen als Gebärmaschinen missbraucht werden. Die Übergabe erfolgt per Lieferung an die heimische Haustüre oder an grenznahen Treffpunkten außerhalb Österreichs. Diese Welpen werden unter dramatischen Bedingungen vermehrt und transportiert. In vielen Fällen sind sie bereits krank – psychisch wie auch physisch. Oftmals brechen die Krankheiten jedoch erst nach der Übernahme durch die neuen Halter*innen aus. Die Folge: intensive und kostspielige tierärztliche Behandlungen, im schlimmsten Fall sogar der Tod der Tiere aufgrund von Parvovirose.

Parvovirose – hochansteckend und lebensbedrohlich

Bei der Parvovirose, auch als "Hundeseuche" bekannt, handelt es sich um eine Infektionskrankheit mit starkem Durchfall und Erbrechen, die für junge Hunde schnell lebensbedrohlich wird. Vor allem junge Tiere im ersten Lebensjahr, bei denen die Welpen-Impfserie noch nicht vollständig abgeschlossen ist, sind gefährdet. Die betroffenen Hunde benötigen eine intensive, stationäre Therapie und müssen bis zu zwei Wochen in der Tierklinik verbleiben. Die Kosten hierfür liegen bei durchschnittlich 1.500 bis 2.500 Euro. "Was den Halter*innen klar sein muss: Da die Hunde oftmals mit Folgeschäden zu kämpfen haben, können weitere Kosten für tierärztliche Behandlungen, Spezialfutter etc. auf sie zukommen", warnt Tierschutzombudsfrau Eva Persy. "Manche Vierbeiner werden zu Dauergästen in den Ordinationen."

An der Veterinärmedizinischen Universität Wien ist die Anzahl der mit Parvovirose infizierten Tiere seit Corona und dem damit verbundenen Heimtier-Boom um 40 Prozent gestiegen. Meist stammen die betroffenen Tiere aus Nachbarländern wie der Slowakei, aber auch aus Serbien oder Rumänien. "Viele Menschen wollen unbedingt sofort ein Tier haben und scheuen sich nicht davor, ihr neues Familienmitglied im Internet zu bestellen, wo unseriöse Händler*innen auf Webseiten mit AT-Endung Welpen aus dem Ausland anbieten", so Eva Persy. Die Krankengeschichten dieser jungen Tiere lassen Rückschlüsse auf die katastrophalen Zustände in diesen ausländischen "Zuchtstätten" zu. "Diese Vermehrer*innen präsentieren sich gerne als verantwortungsvolle und seriöse Hundezüchter*innen – doch genau das Gegenteil ist der Fall. Hier geht es nur darum, Profit auf Kosten der Tiere – und ihrer Menschen – zu erzielen."

Forderungen der TOW zur Eindämmung des unseriösen Welpenhandels

  • Ein erster einfacher Schritt wäre, die Einfuhr von Hunden nach Österreich nur mit wirksamen Tollwutschutz zu gestatten, wie es in Deutschland und anderen EU-Ländern die Regel ist. Die Tiere sind dann mindestens 15 Wochen alt, was die Dynamiken im Geschäft mit den Welpen entscheidend verändern würde. Diese Änderung wurde vom Gesundheitsministerium bereits seit Jahren angekündigt, bislang aber nicht umgesetzt.

  • Weiters müsste die Strafbarkeit des öffentlichen Anbietens von Tieren im Internet auch auf Tathandlungen im Ausland erweitert werden. Bei Internetdelikten ist der Tatort jeder Ort, an dem wortwörtlich „aufs Knöpfchen gedrückt wird“. Liegt der Tatort im Ausland, so kann das nach derzeitiger Rechtslage in Österreich nicht verfolgt und bestraft werden. Das könnte man leicht ändern, indem man das Tierschutzgesetz entsprechend anpasst und die Strafbarkeit im Falle des öffentlichen Anbietens von Tieren im Internet auch auf Taten, die im Ausland gesetzt werden, erweitert.

  • Außerdem unbedingt erforderlich: Mögliche Schlupflöcher müssen gestopft und Missbrauch verhindert werden. Bestellungen bei unseriösen Welpenhändlern dürfen nicht als Lieferungen im privaten Reiseverkehr getarnt und somit die geltenden Bestimmungen umgangen werden.

Mit der WAU-Methode gegen illegalen Welpenhandel

Die Tierschutzombudstelle rät Hundeinteressent*innen, bei der Suche nach einem neuen Begleiter nach der WAU-Methode, dem tierschutzgerechten 3-Schritte-Plan für eine vernünftige Hundeanschaffung, vorzugehen. Wissen aneignen, Angebot im Tierheim checken, Unterstützung bei der Suche von Expert*innen wie der Tierschutzombudsstelle oder den Sachkundekurs-Anbieter*innen einholen: Werden die einfachen Empfehlungen Schritt für Schritt befolgt, dann vermindert diese umsichtige Vorgangsweise bei der Suche nach einem Hund das Risiko, ein krankes Tier von unseriösen Händler*innen zu kaufen.

Wer sich einen Hund zulegen möchte, sollte auf jeden Fall folgende Punkte beherzigen:

  • Prüfen Sie, ob Sie für die Dauer eines Hundelebens die Möglichkeiten haben (Zeit, Platz, Geld), Ihrem vierbeinigen Familienmitglied das zu bieten, was es für sein Leben braucht.
  • Besuchen Sie das lokale Tierheim: Im TierQuarTier Wien warten Hunde/Katzen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Rassen auf ein liebevolles neues Zuhause.
  • Wenn es ein Rassewelpe sein soll: Erkundigen Sie sich bei unabhängigen Einrichtungen, was seriöse Züchter*innen ausmacht (z.B. bei Tierschutzombudsstellen). So werden Ihnen diese etwa vollen Einblick in ihre Zucht gewähren und auch Sie als mögliche/n künftige/n Tierhalter*in eingehend überprüfen. Man wird Ihnen unaufgefordert und gerne das Muttertier zeigen. Gute Züchter*innen werden Ihnen auch für später ihre Hilfe anbieten, mehr noch, sie werden an einem möglichst engen Kontakt für die erste Zeit und weiterem Kontakt für die Zeit des gesamten Hundelebens interessiert sein.

Weiterführende Links und Informationen 

Gecklickt, geliefert, gestohlen: Der organisierte Handel mit kranken Hundwelpen - Aufzeichnung des Online-Events der Tierschutzombudsstelle Wien vom 14.12.2021

Hunde-Kunde: Die Seite zum Wiener Sachkundenachweis

SRF-Doku: Auf der Spur der Hundedealer

StudieHandel mit Katzen- und Hundewelpen in und nach Wien